Rohstoffe: Handy in seine Atome zerlegt

Geologen zerstören ein Handy extrem gründlich - und analysieren die Überreste. Was sie finden, enthält mehr wertvolle Metalle als jedes Erz.

Wer sich häufiger im Internet bewegt, weiß: Ein guter Häcksler kriegt auch ein Smartphone klein. Doch zwei Geologen, Arjan Dijkstra and Colin Wilkins von der University of Plymouth, sind auf dem Pfad der Zerstörung noch ein gutes Stück weitergegangen – und haben ein Handy in seine einzelnen Atome zerlegt. Dazu versetzten sie die fein gemahlenen Überreste des Telefons mit Natriumperoxid und erhitzten es auf 500 Grad Celsius, um die Oxide der einzelnen Elemente zu gewinnen. Diese löste das Team dann wiederum in Säure auf und bestimmte die Anteile der einzelnen Elemente mit Hilfe eines Massenspektrometers, berichten die Forscher in ihrem Video zum Experiment. Bei der Analyse erwies sich der Smartphone-Rückstand reich an Elementen mit oft konfliktreicher Geschichte: Enthalten sind zum Beispiel 20 Milligramm Tantal, dessen Gewinnung aus Coltan unter anderem den Krieg in Zentralafrika antreibt und finanziert.

Daneben enthielt das Smartphone je etwas unter einem Gramm Wolfram und Zinn, die als Konfliktminerale Kassiterit und Wolframit abgebaut werden. Außerdem fanden die Forscher 90 Milligramm Silber, 36 Milligramm vermutlich blutiges Gold sowie die Seltenerdmetalle Neodym, Dysprosium, Gadolinium und Praseodym. Wie Dijkstra und Wilkins anmerken, sind einige dieser Elemente in Smartphones stärker konzentriert als in ihren reichsten Lagerstätten – Gold zum Beispiel um den Faktor 100. Das bedeutet einerseits, dass sich vermutlich früher oder später irgendeine Form von Recycling etablieren wird, andererseits aber auch, dass enorme Mengen Gestein bewegt werden müssten, um die Rohstoffe zu erzeugen: Sieben Kilogramm Erz für das enthaltene Gold, immerhin noch 750 Gramm Gestein für das Wolfram.

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